Ist ein eigener Pizza-Lieferservice rentabel?

Aktualisiert am 7. Oktober 20266 Min. LesezeitRomain Ferrand — Pizzaiolo, 12 Jahre im Foodtruck und im Restaurant

Ein eigener Pizza-Lieferservice rechnet sich, wenn vier Dinge zusammenkommen: ein Bestellwert von mindestens 25–30 €, zwei bis drei Lieferungen pro Fahrerstunde, ein Liefergebiet, das in rund zehn Minuten erreichbar ist, und ein Mindestbestellwert oder eine Liefergebühr, die die Lücke schließt. Fehlt das, steigt der Umsatz, aber nicht der Gewinn.

Mehr Umsatz heißt nicht mehr Gewinn. Eine gelieferte Pizza kostet im Wareneinsatz genau so viel wie eine abgeholte, plus eine Fahrt. Mit dem Mindestlohn von 13,90 € ist diese Fahrt in Deutschland teurer als in den meisten Nachbarländern. Deshalb lohnt es sich, sie einmal sauber durchzurechnen, bevor man das Liefergebiet erweitert.

Was kostet eine Lieferung die Pizzeria wirklich?

Der Fahrer: der größte Posten

Viele Pizzerien beschäftigen Fahrer auf Minijob-Basis. Die Verdienstgrenze liegt 2026 bei 603 € im Monat, also gut 43 Stunden zum Mindestlohn. Dazu kommen rund 31 % Pauschalabgaben des Arbeitgebers, Urlaubsanspruch und Unfallversicherung. Eine Fahrerstunde kostet so etwa 18–20 €, bei sozialversicherungspflichtiger Teilzeit ähnlich. Entscheidend ist der Wert geteilt durch die Lieferungen pro Stunde: drei Touren sind gut 6 € pro Stück, eine einzige fast 20 €.

Das Fahrzeug

Ein Roller kostet mit Sprit, Wartung, Reifen und Abschreibung grob 0,20–0,30 € pro Kilometer, ein Kleinwagen eher 0,35 € und mehr. E-Lastenräder sind in Innenstädten günstiger, aber im Radius begrenzt. Wichtig: Die Versicherung muss die gewerbliche Nutzung für Auslieferungen abdecken. Fährt ein Mitarbeiter mit dem Privatwagen, klären Sie das schriftlich.

Die Kosten, die keiner einplant

  • Leerlauf. Für zwei Stunden am Freitagabend findet man kaum jemanden. Bezahlte Stunden ohne Touren verdoppeln den Preis pro Lieferung.
  • Ausstattung. Thermotaschen, Handy, mobiles Kartenterminal und dessen Gebühren.
  • Fake-Bestellungen. Falsche Adresse, unterdrückte Nummer, drei Pizzen für die Tonne. Online-Zahlung bei Bestellung löst das meiste.
  • Bargeld. Kassendifferenzen nach der Fahrerabrechnung sind ein Klassiker. Weniger Bargeld, weniger Ärger.

Rechenbeispiel

PostenRechnungPro Lieferung
Fahrer (Minijob)≈ 19 €/h ÷ 2,5 Lieferungen/h≈ 7,60 €
Roller6 km hin und zurück × 0,25 €/km≈ 1,50 €
Taschen, Kartengebühren, SonstigesPauschale≈ 0,40 €
Summe≈ 9,50 €

Rechnen Sie mit 7–10 € pro Lieferung bei gut ausgelastetem Fahrer. Bei 1,5 Touren pro Stunde sind es schnell 14 €. Auf eine Bestellung von 20 € ist das der komplette Rohertrag.

Mit der Provision der Lieferplattformen vergleichen

Welcher Mindestbestellwert und welche Liefergebühr?

Die Faustregel: Die Lieferkosten sollten 20–25 % des Bestellwerts nicht übersteigen. Bei 9 € Kosten wären das 35–45 € Mindestbestellwert — zu hoch. In Deutschland üblich und vom Kunden akzeptiert sind 12–20 € Mindestbestellwert, kombiniert mit einer Liefergebühr in den äußeren Gebieten.

Liefergebühr verlangen?

Ja, unterhalb einer Schwelle. Der Mindestbestellwert ist hierzulande gelernt; eine Liefergebühr von 1,50–3 € ebenfalls. Ein bewährtes Modell: 2,50 € unter 30 €, darüber gratis. Die Familie mit vier Pizzen zahlt nichts, die einzelne Margherita beteiligt sich an der Fahrt.

Liefergebiet nach PLZ und Fahrzeit staffeln

ZoneFahrzeitMindestbestellwertLiefergebühr
1 (eigene PLZ)≤ 5 Min.12–15 €0 €
25–10 Min.20 €1,50–2,50 €
310–15 Min.30 €3–4 € oder feste Abende

Über 15 Minuten kommt die Pizza lauwarm an und der Fahrer schafft nur noch zwei Touren pro Stunde. Für Dörfer im Umland funktioniert eine feste Tour: Ort A dienstags, Ort B donnerstags, alle Bestellungen in einer Runde.

Touren bündeln

Zwei Bestellungen in benachbarten Straßen im selben 15-Minuten-Fenster sind eine Fahrt. Das klappt nur, wenn Kunden ein Zeitfenster wählen statt «so schnell wie möglich».

Eigene Fahrer oder Lieferando?

  • Eigene Fahrer auf Minijob oder Teilzeit für die Abendspitze: das Standardmodell, ab 15–20 Lieferungen am Abend am günstigsten pro Tour.
  • Chef oder Familie fahren selbst: kein Lohn auf dem Papier, aber der Ofen läuft langsamer. Die echten Kosten sind die Pizzen, die nicht rausgehen.
  • Kuriere pro Auftrag (z. B. Uber Direct): keine Provision auf die Bestellung, aber ein Preis pro Fahrt, der mit der Strecke steigt. Gut als Überlauf.
  • Lieferando mit Lieferung: Die Plattform fährt, nimmt dafür aber eine deutlich höhere Provision auf die ganze Bestellung.

Lieferando: was die Plattform wirklich kostet

Mittagslieferung und schwache Tage

Mittags lohnt sich die Lieferung an Firmen: ein festes Menü um 11–12 € (kleine Pizza, Salat, Getränk 0,33 l), Bestellung bis 11 Uhr, eine einzige Tour ins Gewerbegebiet. Acht Menüs an drei Adressen sind rund 90 € für eine Fahrt.

Manchmal trägt die Lieferung einen ganzen Tag. Eine Landpizzeria, die ein Dutzend Dörfer belieferte, fiel sonntags von rund 40 auf 9 Pizzen, als sie mangels Fahrer die Lieferung einstellte. Bevor Sie die Lieferung streichen, prüfen Sie, welchen Tag sie trägt.

Liefergebiete nach PLZ, Mindestbestellwert pro Zone, Liefergebühr und Zeitfenster funktionieren nur, wenn sie bei jeder Bestellung automatisch gelten und nicht am Telefon im Stress verhandelt werden. Genau das leistet ein eigenes Bestellsystem mit Liefergebieten — siehe auch unsere Vorlage für eine Pizzeria mit Lieferung.

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Jeden Tag liefern, nur am Wochenende oder gar nicht?

Ihre LageEntscheidung
Bestellwert > 28 €, dichtes Viertel, Ofen mit ReserveTäglich liefern, Mindestwert + Gebühr pro Zone
Bestellwert 18–22 €, Nachfrage vor allem am WochenendeNur Freitag bis Sonntag liefern
Ofen um 19:30 Uhr schon vollKeine Lieferung in diesem Fenster: nur Abholung
Weites ländliches GebietFeste Dörfertouren an bestimmten Abenden
Kein zuverlässiger FahrerPlattform oder Kurier nur als Überlauf

Die Ofenkapazität wird gern vergessen: Lieferbestellungen kommen genau dann, wenn der Ofen voll ist. Wer freitags um 19:30 Uhr schon Gäste vertröstet, bekommt durch die Lieferung Verspätungen, keinen Mehrumsatz.

Stoßzeiten: Kapazität pro 15-Minuten-Fenster

Und die günstigste Lieferung bleibt die, die Sie nicht fahren: eine Abholung zum gebuchten Zeitpunkt, ganz ohne Kilometer.

Umsatzsteuer auf Speisen und Liefergebühr

Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen einheitlich 7 % — egal ob im Lokal, zum Mitnehmen oder geliefert. Getränke bleiben bei 19 %. Die Liefergebühr ist eine Nebenleistung und teilt in der Regel den Steuersatz der gelieferten Ware; bei gemischten Bestellungen mit Getränken klären Sie die Aufteilung mit Ihrem Steuerberater.

Häufige Fragen

Was kostet eine Lieferung die Pizzeria?

Mit einem Fahrer, der zwei bis drei Touren pro Stunde schafft, etwa 7–10 € inklusive Lohn, Fahrzeug und Ausstattung. Mit weniger Touren pro Stunde deutlich mehr.

Welchen Mindestbestellwert sollte ich festlegen?

Üblich sind 12–20 € in der Kernzone, höher in den äußeren Zonen, dazu eine Liefergebühr für kleine Bestellungen. So bleiben die Lieferkosten unter einem Viertel des Bestellwerts.

Eigene Fahrer oder Lieferando?

Bei regelmäßigem Volumen und kompaktem Gebiet sind eigene Fahrer pro Bestellung günstiger. Lieferando mit Lieferung lohnt sich eher als Überlauf an Spitzentagen.

Darf der Fahrer selbstständig sein?

Riskant. Wer nur für Sie fährt, nach Ihrem Dienstplan, gilt sehr wahrscheinlich als Arbeitnehmer, mit Nachzahlungen bei einer Prüfung.

Quellen